Taucher reinigten „Faulturm“

Sie tauchen in völliger Finsternis: In der Kläranlage des Gemeindeverbandes Horn für Abwasserbeseitigung Horn säuberten Industrietaucher einen Faulturm.


Fünf Taucher einer Spezialeinheit aus Wien waren knapp zwei Wochen damit beschäftigt, den insgesamt 2.100 Kubikmeter fassenden Faulturm des Abwasserverbandes von Ablagerungen zu befreien. Dafür begaben sich die erfahrenen Industrietaucher abwechselnd in den 21 Meter tiefen Turm. Anstelle einer atemberaubenden Unterwasserwelt mit idyllischen Korallenriffen und farbenprächtigen Tieren begab sich das Quartett hierfür in völlige Dunkelheit, um Sand, Haare und andere Ablagerungen mittels einer Vakuumpumpe zu entfernen.

Sie kennen den Bauplan des Faulturms und können sich am so genannten Mittelbauwerk orientieren. In diesem Rohr sollte eigentlich die ganze Brühe nach oben steigen, angesogen von einem Propeller. Die ständige Umwälzung sorgt dafür, dass sich die Mikroben wohlfühlen und die Schlammbestandteile schneller zu brennbarem Klärgas umsetzen können.

Das mit dem Durchrühren klappt aber nicht, wenn unten die Verzopfungen die Leitung verlegen. Also klemmen sich die Taucher ein großes Saugrohr zwischen die Beine und arbeiten im Dunkeln mit Kraulbewegungen die Wust-Stücke in die Absaugöffnung. Die großen Brocken werden eigens hochgehievt. Industrietaucher dürfen nicht heikel sein, überhaupt, weil sie hin und wieder was abbekommen von dem Schlamm: „Es kann immer mal eine Manschette platzen. Jeder hat von uns schon gebadet.“ Die größere Belastung komme aber durch die Wärme. Bei konstant 37 Grad bleiben die Taucher maximal 60 Minuten unten.

Der Einsatz des Tauchteams sei die effektivste und zudem ökologischste Variante, um den Faulturm zu säubern, denn der Kläranlagenbetrieb wird aufrechterhalten, da die biologisch wertvolle Masse im Turm bleibt und somit kein Unterbruch der Faulung des Klärschlammes erforderlich ist.

Mit einem Stahlseil gesichert, wird der Taucher in den Turm hinabgelassen. Davor steht aber zunächst das mühevolle Anlegen des Tauchanzugs an. Dabei sind die anderen Taucher behilflich, denn mit Anzug, Bleiweste und Helm wiegt der Taucher rund 200 Kilogramm. Kommuniziert wird während der Arbeit über eine Sprechverbindung. Über eine weitere Leitung wird der Taucher mit Pressluft versorgt.

Unten im Turm wird der Dreck mit einem Wasserstrahl gelöst und zur Pumpe geführt. Die Inhalte, die die Taucher auspumpen, werden dann über ein Rohrleitungssystem in einen mobilen Behälter abgeladen und über eine mobile Schlammpresse weiterverarbeitet. Nach rund einer Stunde in völliger Dunkelheit wird der Taucher von seinen Kollegen schließlich in Etappen wieder aus dem Faulturm gezogen.

Die Reinigung des Faulturms durch die Industrietaucher kostet ca. 65.000 Euro (brutto). „Die Verstopfung ist leider „hausgemacht“, erklärt Bgm. LAbg. Jürgen, Obmann des Gemeindeverbandes Horn für Abwasserbeseitigung, denn aufgrund der Entsorgung von Feuchttüchern, Stoffen oder anderen nicht abbaubaren Materialen haben sich diese Verzopfungen an die Leitungen gelegt. „Die Reinigung der Pumpe konnte nur noch von Industrietauchern durchgeführt werden. Wahrscheinlich wird diese zukünftig öfter notwendig sein“, so der Bürgermeister.


Taucher reinigten „Faulturm“, 10.10.2019